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Erdställe

Auf vielen Grundstücken in Ruppersthal befinden sich Erdställe‚ jene uralten‚ geheimnisvollen Besonderheiten‚ von der man ausser ihrem Vorhandensein und ihrem heutigen Aussehen nur sehr wenig weiss. Hundertprozentig erwiesen ist eigentlich nur‚ dass die fast durchwegs recht kleinräumigen Objekte künstlich hergestellt wurden. Sie befinden sich meist unter alten Häusern oder dort‚ wo solche einstmals gestanden sind. Mit einem Stall für irgendwelches Vieh haben sie überhaupt nichts zu tun; der Wortteil "stall" bedeutet soviel wie Ort‚ Platz‚ Stelle‚ und ist auch im Wort "Burgstall" mit der gleichen Bedeutung vorhanden. Erdställe werden in manchen Gegenden als "Hauslöcher" bezeichnet‚ in Bayern nennt man sie "Schrazellöcher".

Man findet Erdställe von Frankreich bis Osteuropa‚ nach Osten setzt sich die Verbreitung ähnlicher unterirdischer Baue angeblich bis China fort. In Österreich gibt es sie vereinzelt im Alpenvorland von Salzburg bis Niederösterreich‚ aber auch am Alpenostrand (Burgenland‚ Bucklige Welt) und besonders in den Gebieten nördlich der Donau. Äusserst zahlreich sind sie in den Lössgebieten des Weinviertels; in anderen Gegenden wurden sie ins verfestigte Erdreich oder ins Gestein gearbeitet.

Die Gänge sind manchmal stark gewunden oder winkelig‚ 60 bis 70 cm breit und nur selten höher als 1‚30 m‚ manchmal nur kriechend oder gar am Bauch schliefend zu befahren. Oft gibt es Niveauunterschiede mit meist schlupflochartigen Auf- bzw. Abstiegen zwischen den Etagen. Häufig sind Kammern eingebaut‚ deren Grundfläche maximal 2 x 3 m‚ meist aber weniger‚ beträgt. In manchen Kammern hat man "Sitzbänke" aus dem Löss- oder Steinmaterial herausgearbeitet.

Gänge und Kammern sind meist rundbogig‚ seltener spitzbogig oder anders profiliert. Im Löss sind Wände und Decke fast immer sorgfältig geglättet; seltener kommt es vor‚ dass Spuren der verwendeten Werkzeuge erkennbar sind. Häufig stammen solche von nachträglichen Bearbeitungen. Im verfestigten Erdreich angelegte Gänge sind manchmal mit rohen Steinen ausgelegt. Sowohl in den Kammern als auch in den Gängen gibt es Nischen verschiedenster Formen und Ausführungen in unterschiedlichen Höhen und Abständen.

Erdstälie führen bzw. führten oft vom Keller‚ vom Stall oder von einem Raum des Hauses weg. Im letzteren Fall konnte man sie meist nach dem Wegheben einiger Bodenbretter betreten. Ob dies allerdings die ursprünglichen Eingänge waren‚ lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Wenn‚ wie dies besonders oft im Weinviertel vorkommt‚ ein Erdstall heute von einem Weinkeller aus betreten wird‚ sagt das noch lang nicht‚ dass er auch von hier aus gegraben wurde. Meist wurden die Keller viel später hergestellt‚ und die Erdställe wurden beim Kellerbau angeschnitten.

Auch das Alter der Erdställe gibt viele Rätsel auf. Als knapp vor der Jahrhundertwende zum 20. Jhdt. die Erdstallforschungen begannen‚ waren einige "Experten" der Meinung‚ dass sie maximal 150 bis 200 Jahre alt seien. Andere wieder glaubten‚ dass sie aus prähistorischer Zeit stammen würden; mit besonderer Phantasie Begabte schrieben sie sogar einer uralten Zwergenrasse oder Ausserirdischen zu‚ die in lichtlosen Räumen Zuflucht suchten und lebten.

Die spärlichen Fundstücke‚ die aus Erdställen bisher geborgen wurden‚ geben meist nur Aufschluss über spätere Benützungen. Die Erdstallexperten meinen heute‚ dass die Erbauung vieler Erdställe schon zur Zeit der Kolonisierung um das Jahr 1000 n. Chr. stattgefunden haben könnte. Die französischen Forscher sind überzeugt‚ dass bei ihnen nach dem 13. Jahrhundert keine Erdställe mehr erbaut worden sind.

Wegen Temperatur‚ Feuchtigkeit und Beengtheit eignen sich die Erdställe weder als Lagerräume noch als Orte für längere Aufenthalte. Der Grossteil der heutigen Erdstallforscher ist der Meinung‚ dass es sich um Verstecke für kurzfristige Dauer gehandelt hat‚ auch wenn manche ihrer Eigenheiten für eine solche Verwendung keineswegs logisch erscheinen. Erwiesen ist‚ dass die bereits vorhandenen Erdställe im Laufe der Zeit immer wieder als Verstecke gedient haben. Das sagt jedoch nichts über den Zweck ihrer Erbauung aus. Wenn man den riesigen Aufwand verschiedenster Kulturen betrachtet‚ den diese zu Ehren ihrer Gottheiten aufgebracht haben‚ dann erscheint die Theorie‚ dass man die Erdställe.als Wohnungen für Hausgeister oder Ahnen gegraben hat‚ gar nicht mehr so absurd. Für eine Kultstätte dieser Art liessen sich sogar manche absonderliche Bauformen und Schmuckelemente einigermassen erklären. In der Ur- und Frühgeschichte wird ja vieles‚ was anders nicht deutbar ist‚ als Kultinstrument angesehen.

Mit der Erforschung der Erdställe befassten - und befassen - sich meist interessierte Laien. Es ist einzusehen‚ dass es nicht jedermanns Sache ist‚ sich am Bauch durch enge Schlüfe oder kriechend durch gewundene Gänge zu zwängen. Erst im letzten Jahrzehnt befasssen sich auch Wissenschafter mit dem interessanten und geheimnisvollen Phänomen Erdstall. Im Jahr 1903 hat Pater Lambert Karner (sh. Beitrag weiter unten)‚ einer der ersten und bedeutendsten Erdstallforscher (wenn auch "nur" Laie)‚ sein Lebenswerk herausgebracht. Es trägt den Titel "Künstliche Höhlen aus alter Zeit" und beschreibt Erdställe aus den verschiedensten Ländern Europas. Vorwiegend hat sich Karner natürlich mit Erdställen in Österreich befasst‚ wobei er die meisten im Wald und Weinviertel beschrieben hat - nicht nur‚ weil er hier sozusagen "zu Hause" war‚ sondern auch deswegen‚ weil es hier die meisten gibt.

Seit den 1950er-Jahren sind viele Erdställe dem Hausneubau‚ dem Einbau von Wasserleitung‚ Kanal oder elektrischen Leitungen zum Opfer gefallen‚ andere wieder sind durch das Drüberfahren schwerer moderner Landmaschinen eingestürzt. Noch vorhandene Erdställe sind eine Seltenheit‚ gut erhaltene eine Rarität geworden. Diese uralten‚ ehrwürdigen‚ geheimnisvollen geschichtlichen Denkmäler sollten wir nicht zerstören‚ sondern stolz in Ehren halten; wir sollten uns um seine Erhaltung und seinen Schutz bemühen.

Quelle:
Edith Bednarik (Brief an den Eigentümer eines Grundstücks‚ unter dem sich ein Erdstall befindet)



Künstliche Höhlen in Niederösterreich


Auszug aus "Blätter für Landeskunde von Niederösterreich" des Jahres 1884 von Pater Lambert Karner (Pfarrer in Gösing)

In den vorausgehenden Absätzen geht es vor allem um die Bedeutung des Buchstaben Tau1 bzw. des Kreuzes in den verschiedenen Kulturen: ... Dazu macht Dr. Allioli die Bemerkung: "Das Tau ist der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets; es hatte in der ältesten Zeit die Gestalt eines Kreuzes‚ welches in der Geheimlehre der Ägypter und anderer alter Völker das Sinnbild des Lebens war". ... In San Juan de Teotihuacan2 befinden sich grossartige Tempel und Paläste und auch eine Sonnen- und eine Mondpyramide. Die Erbauer aller dieser Prachtbauten sind nach Charnay die Tolteken. Die Strasse nun‚ die zur Mondpyramide führt‚ bildet ein grosses Kreuz‚ und zwar in der Form eines griechischen Tau‚ T. "Diese Kunststrasse wurde der Sage nach von den Tolteken der Weg der Todten genannt". ... Das Tau‚ welches ein Kreuz bildet‚ hat mit leichtem Unterschiede in der Form als symbolisches Zeichen bei den ältesten Nationen bestanden‚ sowohl in Hindostan3 als in Palenque4‚ in Aegypten wie in Teotihuacan. Die Nationen haben eine nach der anderen es angenommen‚ aber ohne zu wissen‚ welche Bedeutung ihm von den Priestern in der Kindheit des Menschengeschlechtes beigelegt worden war. In Benares‚ Madras und in allen alten Städten Indiens waren die Tempel in Kreuzform erbaut. ...

Findet sich nun auch in unseren heimischen Höhlen das Tau oder die Kreuzform? Ich antworte mit einem entschiedenen Ja. Man mag die von mir publicierten Pläne betrachten: in allen grösseren Bauten wird man Gangformen finden‚ die genau die Form des oben gegebenen Tau besitzen‚ und zur Bekräftigung dieses lege ich den Plan einer künstlichen Höhle‚ und zwar der von Ruppersthal bei; die ausgesprochene Tauform findet sich hier sowol in der Stellung der Gänge zu einander‚ als auch in der grossen Kammer A.

Doch man mag mir einwenden‚ das sei bloss eine Hypothese‚ die sich schwer beweisen lasse. Wie aber‚ wenn sich die bildliche oder plastische Form des Kreuzes fände? Auch diese habe ich gefunden‚ denn in Klein-Weikersdorf zieht sich an der Decke einer grossen Kammer die Figur eines grossen‚ aus dem Lösse herausgearbeiteten Kreuzes hin‚ dessen Arme bis nahe zu der Mitte der Kammer herabreichen; die Fortsetzung des Längs- über dem Querbalken ist aber sehr kurz und verliert sich in der Fläche des Deckengewölbes; ein speciell christliches Abzeichen findet sich auf dem Kreuze nicht.



1 Tau Der 19. Buchstabe des griechischen Alphabets

2 Teotihuacan Ruinenstätte einer vorkolumbianischen Kultur‚ über deren Träger nichts bekannt ist. Teotihuacan liegt 40 km nordöstlich der Stadt Mexiko‚ 2300 m über dem Meeresspiegel

3 Hindostan Veraltete Bezeichnung für Britisch-Indien

4 Palenque Ruinenstadt der klassischen Mayakultur im Bundesstaat Chiapas (Mexiko)‚ seit 400 v. Chr. besiedelt

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