Der Lodersteig ist ein streckenweise einspuriger Pfad und kommt als Flurname in folgenden Orten vor: Altenwörth‚ Gigging‚ Kollersdorf‚ Mallon‚ Kirchberg‚ Oberstockstall‚ Ruppersthal‚ Grossweikersdorf‚ usw.
Alte Karten und Beobachtungen zeigen‚ dass der Steig die Orte umgeht. Dies führte zur Deutung‚ er sei ein Schleichweg der Lutherprediger oder der Lotterbuben gewesen.
Der Flurnamenforscher Ing. Franz Mann (Zivilgeometer) gelangte durch die genaue Darstsllung des Verlaufes und der angrenzenden Flurnamen zu einer weiteren und überzeugenderen Deutung: Der Lodersteig war der Saumtierpfad1 für die Salztransporte von Altenwörth (Donau) nach Böhmen und Mähren. Er beginnt westlich von Altenwörth gegenüber der einstigen Insel "Salzsaum"‚ wo die Salzladung der Transportschiffe gelöscht wurde. Kampaufwärts‚ im "Salzstadel"‚ gab es ein Depot.
Westlich um Altenwörth herum und an Gigging vorbei verlässt der Weg die heutige Bezirksstraße beim Kreuz Kote2 183 und übersetzt die Landstrasse zwischen Kollersdorf und Neustift. Er folgt dem Steig am Rande der "Haid" bis zum 4-Gemeinden-Markstein Kollersdorf - Neustift - Dörfl - Mallon und verläuft entlang der Gemeindegrenze Mallon-Dörfl zum Wagram.
Nun erklimmt er auf dem Weingartensteig zwischen den Häusern Damböck und Zimmermann und auf dem anschliessenden Seilerberg die Höhe‚ aber ohne sich dem Marktplatz zuzuwenden. Er geht hinter den Häusern Schuhmeister‚ Dr. Schober und der Damianstiftung um die einstige Figl-Sohmiede herum‚ beim Cihal-Pappelweg nach Oberstockstall‚ hinter der Willstorfer-Schmiede und durch den Moargraben am Bärenhof vorbei‚ den Freilagraben hinauf und an der Barbara vorbei zur Ried "Raststatt" mit einer durch ein Rustenschacherl beschatteten Tränkegrube.
Nun steigt der Weg an einem Grenzstein aus 1773 und an den Mehlsäcken3 vorbei steil an‚ führt über den "Blamfang" zu den "Holzirn"‚ am "Raifel"4 vorbei und erreicht immer noch steigend über die "Kreuten" die Kogelbergkuppe‚ die Kote 340‚ den höchsten Punkt des Bezirks und auch die Bezirksgrenze. Der weiter Verlauf in Österreich führt Richtung Haugsdorf bzw. Znaim.
Traun- und Donauabwärts mußts ohnedies in allen Häfen drei Scheffel Salz5 gezollt werden. Wegen dieser Salzmaut weicht der Steg allen Orten aus und berührt sie nur bei der jeweiligen Schmiede wegen des Hufbeschlages für die Saumtiere.
Diesen sehr sinnvoll und geschäftstüchtig angelegten Steig ersann sich der Salzburger Bischof Paris Lodron (1586-1653)‚ den die Salzburger salopp den "Loderbischof" nannten‚ woraus sich der Name "Lodersteig" ableiten liesse.
1 Saumtier
Trittsicheres Tragtier‚ das im Gebirge eingesetzt wird‚ besonders Maultier‚ Maulesel
2 Kote
Höhenkote (französisch)‚ Begriff aus der Topographie: die Höhenzahl eines Geländepunktes über einer Bezugsfläche‚ z.B. über Normalnull (Meeresspiegel)
3 Mehlsäcke
Grundstücke‚ die einem Sack vergleichbar nur einen Zugang haben.
4 Raifel
Diese Riedebezeichnung kommt in den Gemeinden Ottenthal‚ Grossriedenthal‚ Neudegg‚ Ruppersthal‚ Grossweikersdorf‚ Oberstockstall und Kirchberg vor und deutet vermutlich auf die einstige Rebsorte Reifler (mundartlich für Rotgipfler)
5 Scheffel
Alte deutsche Volumeneinheit‚ zwischen 23 und 222 Liter
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